Die Bundestagsabgeordneten Britta Haßelmann und Niklas Wagener haben bei uns von Mission to Marsh angeklopft. Sie hatten den Wunsch, mit uns in den Dialog zu gehen und sich die Praxis des Moorschutzes einmal ganz real vor Ort anzuschauen. Da unsere Geschäftsführerin Ann Christin im Rahmen des MOOSland-Projekts ohnehin genau zu diesem Thema promoviert, haben wir uns kurzerhand zusammengetan. Die Idee: Wir holen die Politik aus dem Plenarsaal direkt ins Barver Moor nach Niedersachsen auf eine Paludikultur-Testfläche.
Aber wartet mal kurz – Paludi-was?
Falls ihr den Begriff noch nicht kennt: Paludikultur (vom lateinischen „palus“ für Sumpf) bedeutet schlichtweg Land- und Forstwirtschaft auf nassen oder wiedervernässten Moorböden. Warum das so ein absoluter Gamechanger ist? Bisher hat die Landwirtschaft Moore tief entwässert – wodurch der Torf an der Luft oxidiert und erhebliche CO₂-Emissionen entstehen.
Stoppen wir die Entwässerung und vernässen die Moore wieder, lösen wir das Problem an der Wurzel: Nasse Moore setzen kein CO₂ mehr frei und gewinnen ihre Superkraft zurück, Kohlenstoff langfristig zu speichern. Und genau hier kommt die Paludikultur ins Spiel: Statt Kulturen anzubauen, die trockene Böden brauchen, pflanzen wir Arten, die nasse Füße lieben! Das können Schilf, Rohrkolben oder eben unser geliebtes Torfmoos sein. Das Geniale daran ist, dass das Moor dadurch wiederbelebt wird und all seine Superkräfte behält! Es speichert wieder gigantische Mengen an Kohlenstoff, saugt sich voll wie ein riesiger Schwamm, der das Wasser in der Landschaft hält und uns so vor Dürren schützt. Das Wasser wird gefiltert und die darin enthaltenen Nährstoffe dienen den Pflanzen zum Wachsen. Und das Moor bietet wieder Lebensraum für seltene, bedrohte Arten. Gleichzeitig kann aber die Landwirtschaft die Flächen weiterhin nutzen. Es ist also eine echte Win-win-Situation, um uns zukunftssicher aufzustellen.

Die Superhelden hautnah erleben
Auf der Fläche haben wir der Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion, Britta Haßelmann, und ihrem Kollegen Niklas Wagener genau das gezeigt. Wir haben uns die Torfmoose aus nächster Nähe angeschaut, sie gemeinsam ausgepresst und wieder einmal gestaunt, was für krasse Superhelden diese Pflanzen eigentlich sind. Wir haben erklärt, wie man sie anbaut, wie sie geerntet werden und warum diese nasse Bewirtschaftung ein entscheidender Teil der Lösung ist.
Der Besuch hatte auch einen ganz konkreten politischen Hintergrund. Die Abgeordneten wollen nämlich einen neuen Antrag in den Bundestag einbringen. Das Papier trägt den treffenden Titel „Wasserrückhalt und Resilienz stärken – Einkommensperspektiven für Landwirte schaffen und Moorschutzverfahren beschleunigen“. Darin wird ganz klar festgestellt, dass der Wasserrückhalt in der Landschaft eine absolute Grundvoraussetzung für die Land- und Forstwirtschaft ist. Denn mittlerweile haben die Moorbauern nicht mehr zu viel Wasser, sondern immer öfter viel zu wenig! So kann keine nachhaltige Landwirtschaft funktionieren.
Das ambitionierte Ziel des Antrags: Bis 2045 sollen jedes Jahr 50.000 Hektar Moorfläche wieder vernässt und nass bewirtschaftet werden. Da auf diesen nassen Flächen kein Mais, Getreide oder Kartoffeln mehr wachsen können, rückt genau hier die Paludikultur in den Fokus, aus deren Biomasse man später zum Beispiel torffreie Blumenerde, Verpackungsmaterial oder sogar Dämmstoffe machen kann. Und was noch viel besser ist: Schaut euch mal meine Jacke an: Das ist gelebte Paludikultur! Hier stecken statt Daunenfedern einfach mal Rohrkolben drin! Innovativer geht es wirklich nicht. Sowas lieben wir!
Um die landwirtschaftlichen Betriebe bei dieser großen Umstellung zu unterstützen und ihnen Planungssicherheit zu geben, fordert der Antrag unter anderem richtig viel Unterstützung für die Landwirtschaft: eine Wiedervernässungsprämie und gezielte Wirtschaftsförderung, um neue Märkte für diese Paludi-Produkte aufzubauen.

Alle an einem Tisch
Nach all dem Input auf der Fläche und einem kleinen Snack ging es ans Eingemachte. In einer großen, bunten und total herzlichen Runde saßen wir mit verschiedenen Betroffenen aus der Landwirtschaft, dem Torfabbau und der Wissenschaft zusammen. Wir haben intensiv darüber beraten, wie wir die Moorvernässung jetzt in die Praxis und in die Fläche bekommen und was es an politischer Steuerung genau dafür noch benötigt.
Es war ein wahnsinnig konstruktiver Tag. Ein riesiges Dankeschön geht an dieser Stelle an Greta Gaudig und Matthias Krebs vom Greifswald Moor Centrum, die uns mit einer fantastischen Führung über die Fläche begleitet haben, und an Laura Herzog von der Universität Osnabrück, die unsere Diskussionsrunde im Anschluss so wunderbar strukturiert und geleitet hat. Ihr alle habt dazu beigetragen, dass wir an diesem Tag mit neuen Ideen und richtig viel Spaß einen vollen Erfolg feiern konnten!
Wenn Wissenschaft, Praxis und Politik sich auf Augenhöhe im Moor begegnen, geht es wirklich voran. Lasst uns gemeinsam Veränderung gestalten!







